Sebastian Sieber

Text von Sandi Paucic anlässlich der Ausstellung im K3 Project Space, Mai 2009

Sebastian Sieber interessiert sich für die Verschmelzung von abstrakter und gegenständlicher Malerei bzw. die Überwindung dieses stereotypen Gegensatzes.
Die Entdeckungsreise auf unsicheres Terrain erfordert vom Betrachter anspruchsvolle Seharbeit, jenseits einer vordergründigen Gefälligkeit.
Sieber geht zuweilen vom zufällig in seinem Malatelier Vorgefundenen aus, beispielsweise indem er Staubfusel im laufenden Malprozess nicht nur integriert, sondern, gleichsam ohne die Leinwand fertig zu malen, zum Hauptmotiv eines Bildes macht. Ein überraschendes und bildwitziges Moment, wie es typisch für den Künstler ist.
So auch wenn er in einem kleinformatigen Bild Farbtupfer durch Akzentsetzung und teils gezielte figurative Formgewinnung zum Bild der "Kleinfamilie" entwickelt.
Darin - erst auf den zweiten Blick – deutlich in Miniaturporträts erkennbar die Mitglieder der Familie seines Bruders neben im Ungegenständlichen verbleibenden, bunten Farbtupfern. Ständig pendelt beim Betrachter die Wahrnehmung zwischen Auflösung und Dingwerdung und erfordert aktives, synthetisches Sehen. Eine malerische Forschungsarbeit entlang von Grenzen, auch ganz wörtlich als Bildgrenzen verstanden: Dazu tragen die bewusst nicht rechtwinklig gespannten Leinwände bei: Das Resultat ist eine Irritation des Blicks, welche aus der Verletzung Jahrhunderte alter Bild-Lesegewohnheit resultiert. Sieber verfolgt verschiedene Ansätze in zyklisch wiederkehrenden Facetten, so dass in Variationen verschiedene motivische Bezüge unverhofft wiederkehren.


Text von Alexandra Blättler, November 2006
(Katalog Stiftung BINZ39, Dokumentation 05/06)

Sebastian Sieber
Malerei und ihre Möglichkeiten in der gegenwärtigen Kunstproduktion haben in den letzten Jahren ein Revival erlebt, was unter anderem den Entwicklungen an den deutschen Kunsthochschulen zu verdanken ist. Malerei hatte zwar die 1990er Jahre mehr oder weniger in einem Dornröschenschlaf verbracht, aber der Hunger nach Bildern war damit nicht aus der Welt geschafft.
So beschäftigt sich auch Sebastian Sieber ganz und gar mit der malerischen Bildschöpfung und greift dabei auf die klassischen Techniken der Acrylmalerei, Oelmalerei und deren Mischtechniken zurück.
Er hat sich als Künstler ein klares arbeitstechnisches Feld ausgesteckt, bewegt sich aber innerhalb diesem mit einer unverwechselbaren Vielfältigkeit. Sujets seiner Malerei finden sich im urbanen Umfeld so gut wie in der Natur oder im Innern seines Ateliers.
Angesichts unserer medialgeprägten Gesellschaft, interessieren ihn wie
Visualisierungsprozesse funktionieren und welche Methoden und Strategien die Malerei innerhalb dieser Untersuchung bieten kann.
Zum Prozess der Bildgestaltung gehört die Gestaltung des Trägerformates genauso dazu wie das Malen selbst: ein sich gegenseitiges Beeinflussen von Form und Inhalt befindet sich in einem andauernden Wechselspiel. Ein Bild beginnt sich über die Farbe aufzubauen und wieder aufzulösen. Eine wirre Ansammlung feiernder Menschen auf einer Terrasse eines Betonbunkers entpuppt sich in der nächsten Sekunde abrupt als reine Farbansammlung. Bildinhalte werden suggeriert um im nächsten Moment wieder aufgelöst zu werden.
Der erste Teil der Ausstellung erinnert an eine mögliche Situation im Künstleratelier. Vieles wird einander gegenübergestellt, Bezüge können geschaffen werden. Im zweiten Raum kommt es sozusagen zu einer Auflösung, da der Fokus konkreter auf jene Einzelarbeiten gerichtet wird, die aus genau einer solchen Gegenüberstellung heraus sich entwickeln. Einmal mehr wird hier die siebersche Intention unterstrichen: seine Malerei verselbständigt sich im Arbeitsprozess und existiert schlussendlich nur noch der Malerei willen.